Das Strandgut Resort und Restaurant Deichkind – unser Interview mit Fabian und Markus

Moin ihr Lieben,

heute heißt es mal nicht, „draussen im Norden“, sondern „drinnen im Norden“. Wie Ihr wisst, haben wir viele Lieblingsorte in St. Peter-Ording, die wir Euch gerne näher vorstellen. Im Moment sind ja Hotels und Restaurants weitestgehend geschlossen. Markus und Fabian vom Strandgut Resort erlauben uns aber dennoch einen interessanten Blick hinter die Kulissen.

In unserem Artikel „Die besten Vegan-Spots in St. Peter-Ording“ haben wir bereits angekündigt, Euch ein paar dieser Orte näher vorzustellen. Wir versprechen Euch, dieser Artikel weckt noch mehr Sehnsucht nach SPO. und der Nordsee.

Wir durften unser Interview mit Fabian Nissen, dem Online Marketing Manager und Markus Friederici, dem Küchenchef führen. Vielen Dank, dass Euch so viel Zeit für uns genommen habt.

Fabian, was macht das Resort aus, neben seiner besonders Lage natürlich?

Fabian: Ich denke, uns macht vor allem aus, dass wir uns immer wieder neu erfinden. Wir bezeichnen uns ja auch nicht ohne Grund als das erste Lifestyle Hotel an der Nordsee. Das fängt bei unserem modernen Designkonzept an, das mit seinen vielen hellen Farben für ein entspanntes Wohlfühlambiente sorgt – sowohl in den Zimmern, als auch im Rest des Hauses wie in der Lobby oder im Restaurant. Moderne Architektur und das frische Interieur lassen unsere Gäste norddeutsch-lässigen Lifestyle erleben, und das mit Blick auf die Dünen und das Meer sowie den zwölf Kilometer langen Sandstrand in Laufnähe.

Ein Highlight ist unsere Lounge-Terrasse, die im Winter 2019/20 komplett neu konzipiert und umgebaut wurde. Hier lassen sich nicht nur Kaffee, Tee und Sundowner, sondern auch Speisen aus der Restaurantküche mit einem herrlichen Blick auf die Dünenlandschaft genießen. Metall-Lamellen, die automatisch bei Regen schließen, und Wärmestrahler machen es möglich, auch an kühlen Abenden gemütlich draußen zu sitzen.

Wie versucht ihr, das Beste aus der aktuellen Situation zu machen?

Fabian: Die aktuelle Situation erfordert natürlich eine ganz besondere Art der Neuerfindung. Seit Januar bieten wir in unserem Restaurant Deichkind einen To Go Verkauf an. Jedes Wochenende gibt es Waffeln und Heißgetränke sowie wechselnde Specials wie Sushi Variationen, Thunfisch-Hotdog, Spargel oder Grünkohl. Zudem kam uns die Idee, Leckereien auch zum Zuhause-Kochen anzubieten, sprich hausgemachte Saucen und Suppen, Nudeln oder sogar Pralinen. So entstand unsere eigene kleine Produktreihe mit mittlerweile rund 20 Artikeln, die demnächst auch online zu kaufen sein wird.

Was schätzen Eure Gäste besonders bei Euch?

Fabian: Bei uns ist jeder herzlich willkommen, der sich für unser Konzept begeistern kann. Also alle, die Lust auf Design, Wellness, Slow Food und ein junges dynamisches Service-Team haben.

St. Peter-Ording: Kurort im Wandel

Es tut sich viel in SPO. Von Erlebnispromenade zu neuen Pfahlbauten, wie siehst Du die Entwicklung in SPO. Was gefällt Euch gut, was weniger?

Fabian: Wir finden diese Entwicklungen sehr aufregend. Unserer Meinung nach könnte der Ort sogar noch mehr aus sich herausholen. Neue Hotels, die zum Beispiel den Schwerpunkt auf Familien setzen, oder auch neue Verkehrskonzepte sind nur einige Ideen, wie SPO noch attraktiver für alle werden könnte.

Oft ist von einem Trend zu mehr Urlaub im eigenen Land die Rede? Kommen insgesamt mehr Gäste an die Nordsee oder wie siehst Du das?

Fabian: Durch Corona haben wir im vergangenen Sommer ein anderes Publikum begrüßen dürfen als sonst. Viele Gäste waren das erste Mal in ihrem Leben überhaupt an der deutschen Küste, viele wären normalerweise am Mittelmeer, in der Karibik oder in Asien gewesen. Das ist sowohl für die Gäste eine ganz andere Hausnummer, aber auch für uns, die die Erwartungshaltungen auffangen. Ich denke, viele haben letztes Jahr ihr eigenes Land von einer ganz neuen Seite kennen und auch ganz sicher lieben gelernt – und ich bin mir sicher, dass viele von ihnen auch wiederkommen werden. Nur das Wetter kann man eben nicht garantieren (lacht).

Ich denke, viele haben letztes Jahr ihr eigenes Land von einer ganz neuen Seite kennen und auch ganz sicher lieben gelernt.

Neben dem Trend zu mehr Urlaub im eigenen Land, gibt es auch den großen Trend „Nachhaltigkeit“. Was macht Ihr, um nachhaltiger zu sein?

Fabian: Wir versuchen das Thema Nachhaltigkeit überall sowohl in unseren internen Hotelalltag als auch in unserem Angebot für unsere Gäste zu integrieren. Aktueller Fall: Wie versenden wir unsere Osterbox, die man vor kurzem online bestellen konnte, auf nachhaltige Weise? Einige Lebensmittel müssen zum Beispiel gekühlt bei den Gästen ankommen. Die Lösung war letztendlich ein nachhaltiger Isolierbeutel aus kompostierbarem Hanf, der die temperatursensiblen Waren beim Versand kühl hält.

Auch das Thema Mobilität unserer Gäste ist wichtig. Für Tagesausflüge in die Umgebung bieten wir unseren Hotelgästen unsere hauseigenen Elektrofahrzeuge zur Vermietung an.

Zudem setzen wir in unserem Restaurant auf regionale und saisonale Produkte. Wir haben ein tolles Netzwerk hier in der Region, die uns mit wunderbaren Produkten beliefern. Angefangen beim Mozzarella von Feddersens Farm in Immenstedt, über Fleisch vom Bison Hof Nissen in Wallsbüll bis hin zum Fisch von Lerch Hummer & Co. in Hamburg, einem der besten Fischhändler Norddeutschlands.

Uns liegt der Erhalt der Natur und der Landschaft hier in St. Peter-Ording sehr am Herzen. Daher sind wir seit 2016 offizieller Nationalpark Wattenmeer Partner. Zur Partnerschaft mit dem Nationalpark gibt es bald neue Entwicklungen, dazu halten wir euch gerne auf dem Laufenden!

Wir sehen bei Euch immer wieder viele Auszubildende. Habt Ihr da ein besonderes Konzept?

Fabian: Viele Azubis kommen tatsächlich auch von weiter her. Deshalb ist es uns besonders wichtig, dass sich alle bei uns wohl und heimisch fühlen. Da Wohnraum in SPO nicht gerade leicht zu finden ist, haben wir im vergangenen Jahr in Garding unser neues Personalhaus „WohnGut“ eingeweiht, in dem sieben Kollegen ein Zuhause gefunden haben. Das WohnGut verfügt zum Beispiel auch über einen gemütlichen Aufenthaltsraum und eine Terrasse mit Garten, was gleich für eine richtig familiäre Atmosphäre bei unseren Bewohnern sorgt.

Allgemein hat die traditionelle Hotelfach-Ausbildung bei vielen Leuten noch einen schlechten Ruf ­– früh aufstehen, spät nach Hause kommen, Zeitdruck … Wir versuchen, da mit allen Mitteln gegenzuarbeiten. Wir brauchen gut gelaunte Leute bei uns im Haus, die Arbeit bei uns soll Spaß machen und jedem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Nur so kann sich das auch auf unsere Gäste übertragen. Wir pflegen zu allen Azubis eine sehr enge Beziehung, um sie auch im weitläufigen Berufsfeld zu fördern. Dem einen liegt zum Beispiel der persönliche Kontakt zu den Gästen an der Rezi näher, der andere hat eine Affinität zu Speisen, Getränken oder sogar zur Bar.

Kommen wir zum Deichkind. Ihr habt ja eine vorzügliche Küche. Was ist das Geheimnis?

Markus: Regionalität spielt eine sehr große Rolle. Wir lieben es, mit lokalen Produkten zu arbeiten und es ist super interessant, was die Region hier auch alles zu bieten hat. Zum Beispiel beziehen wir top Wagyu-Fleisch aus Risum-Lindholm hier in Nordfriesland, Büffelmilch-Käse aus Immenstedt bei Husum, Kartoffeln aus der Region und so weiter.

Genauso wichtig ist natürlich auch die Saisonalität. Bei uns gibt es zum Beispiel nicht unbedingt das ganze Jahr über Erdbeeren, nur weil Gäste das vielleicht mögen könnten. Die Kunst liegt in der Reduktion, ohne etwas vermissen zu lassen. Die Natur bestimmt, welche Produkte aktuell Saison haben und dann besonders köstlich sind. Das merken unsere Gäste und wissen es zu schätzen. Und das macht es auch so spannend. Denn Produkte sind von Natur aus niemals „immer gleich“. Geschmack und Intensität hängen immer mit der Witterung zusammen. Und übrigens: Fertig-Saucen oder ähnliches ist für uns keine Option, sodass es auch mal zu Geschmacksunterschieden kommen kann, was dann auch durchaus gewollt ist.

Markus, was hat Euch dazu bewegt, so viele und so gute vegane Gerichte anzubieten?

Markus: Einerseits die Nachfrage, andererseits aber auch das Interesse und die Lust, immer wieder etwas Neues auszuprobieren … und nicht zuletzt weil ich selber sehr gerne vegan esse. Ich habe einfach extrem Spaß dran, herumzuprobieren, neue Gewürze zu entdecken und die kulinarischen Möglichkeiten an ihre Grenzen zu bringen. Und somit auch meinen eigenen Horizont zu erweitern. Rouladen oder Steaks sind auch nicht ohne, aber das habe ich zum Beispiel schon tausendmal gemacht. Die Vielfalt beim veganen oder vegetarischen Kochen ist in gewisser Hinsicht viel spannender. Momentan experimentiere ich mit verschiedenen veganen Käsesorten, um bald bei uns im Deichkind eine vegane Käseauswahl anbieten zu können.

„Ich liebe es, vegetarisch und vegan zu kochen. Die Vielfalt beim veganen oder vegetarischen Kochen ist in gewisser Hinsicht einfach viel spannender. Ich finde es schön, Gerichte aus regionalen und saisonalen Lebensmitteln zu kreieren.“

Wie ist die Resonanz auf die veganen Gerichte?

Markus: Die Leute sind mittlerweile auf jeden Fall offen für vegane Ernährung. Wir haben vor zwei Jahren den Beyond Meat Burger auf unsere Karte genommen. Am Anfang lief das noch etwas schleppend, aber mittlerweile verkaufen wir den veganen Burger fast im Verhältnis 50:50 verglichen mit dem Rindfleisch-Burger. Das ist wirklich bemerkenswert. Ich finde es sehr wichtig, dass wenn man etwas macht, man es auch richtig macht. Entweder ich beschäftige mich mit der fleischlosen Küche oder ich lasse es sein. Ich bin kein Fan davon zu sagen „bei uns wird jeder glücklich und deshalb schreibe ich ein bisschen Salat und die klassische Gemüseplatte auf die Karte“. Wir bauen die vegane Ernährung fest in unsere Küche mit ein.

Gleiches haben wir uns zum Beispiel beim Verwenden von Weizenmehl vorgenommen. Bei uns gibt es kein Weizenmehl mehr im Haus, sondern nur noch Dinkelmehl. Das gilt für Kuchen und jede andere Backware, die wir herstellen.

Die Küste steht ja eher für Krabben- und Fischbrötchen. Ist vegan nur ein kurzer Hype an der Küste oder ein langfristiges Thema? 

Markus: Vegane Ernährung wird in Zukunft immer bedeutender sein – vor allem aufgrund des Klimawandels und auch einer anderen Denkweise der Menschen, besonders die der jüngeren Generation. Ich kann mir gut vorstellen, dass schon bald ein Großteil unserer Ernährung ausschließlich pflanzlicher Art sein wird. Ich persönlich beschäftige mich schon seit längerem mit dem Thema und habe vor kurzem auch ein Fernstudium zum Ernährungsberater veganer und vegetarischer Kost gemacht. Wenn wir als Köche nicht als gutes Beispiel vorangehen und neue, nachhaltige Essgewohnheiten fördern, wie soll sich dann etwas an dem System im Hinblick auf Massentierhaltung etc. ändern?

Ich bin ein Kind vom Bauernhof und mit Hausschlachtung aufgewachsen. Mittlerweile trinke ich nur noch Hafer- oder Sojamilch – okay, das liegt auch an meiner Laktoseintoleranz. Aber wenn ich die Wahl hätte zwischen einem Steak oder unserem veganen orientalischen Traum, würde ich immer den Traum nehmen. Auf eine gewisse Art habe ich heute einfach keine Lust mehr auf ein großes Stück Fleisch.

Vielen Dank für das tolle Interview und die tollen Fotos, die wir hier nutzen dürfen. Wir können es kaum abwarten bald wieder bei Euch Gast zu sein.

  • Fabian Nissen (Online Marketing Manager)
  • Markus Friederici (Küchenchef)
  • Fotos: Strandgut Ressort, Christoph Enke
  • Website: https://www.strandgut-resort.de/restaurant-deichkind
  • Mail: info@strandgut-resort.de
  • Telefon: +49 (0) 4863-9999-0

Wir hoffen Euch gefällt der Blick hinter die Kulissen! Wir werden Euch bald noch mehr regionale Unternehmen näher vorstellen. Beiträge sind unbezahlt.

Alle Beiträge zur Nordsee und SPO findet Ihr hier.

Wenn Ihr mehr über unsere veganen Tipps lesen wollt, schaut doch mal hier. Die besten Vegan-Spots in St. Peter-Ording, Eiderstedt und mehr