Moin.

Wir sind uns nicht ganz sicher, ob der Name Robbe vom englischen Begriff „Robber“ (Räuber) kommt. Uns bekannt ist aber, dass die Kegelrobbe Deutschlands größtes Raubtier und gemeinsam mit dem Bären bei uns auf der höchsten Gefährlichkeitsstufe 1 geführt wird. Auf der Insel „Düne“ bei Helgoland lassen sich die Robben aus sehr naher Distanz beobachten und fotografieren. Im Dezember und Januar sogar auch Robbenbabys, die mit ihren großen Augen und hellem Fell nicht nur uns verzücken.

Auf der Düne bei Helgoland

Unser Robben-Trip nach Helgoland

Es ist noch tief dunkel, als wir morgens mit unserem Bulli Salty am Flugplatz Heide-Büsum eintreffen. Leicht frostiger Wind, Stille, Sterne. Auch der dunkle Tower zeichnet sich kaum vom Himmel ab. Eine knappe Viertelstunde zu früh, sind wir am Flugplatz angekommen und nichts deutet darauf hin, dass hier in einigen Minuten unser kleines Flugzeug nach Helgoland abheben wird.

Dann geht doch alles ganz schnell, ein Mann schaltet das Licht an, schaut auf die Tickets und übernimmt das Gepäck, bevor er im Tower verschwindet. In der Ferne hören wir schon die lauten Propeller (oder ist es der Motor?) des Flugzeugs, dass auf der Start- und Landebahn eine Warmlaufrunde fährt.

Die kleine Maschine vom Typ „Britten Norman Islander“ ist startklar und wir nehmen auf einer Bank direkt hinter dem Piloten Platz. Fühlt sich sehr aufregend an, etwas mulmig und sehr laut..

Helgoland mit dem Flugzeug

Kurze Einweisung, Anschnallgurte und schon geht’s los. Das leicht mulmige Gefühl verschwindet schnell beim Anblick der Wellen und der Sandbänke von oben. Das Wattenmeer im Sonnenaufgang ist beeindruckend schön. Wir fragen den Piloten, ob es manchmal auch zu windig zum Fliegen sei. Während er scheinbar tiefenentspannt und auf Sicht fliegend in eine Wolkenbank steuert, merkt er an, dass es gestern etwas ungemütlich gewesen sei.

Meistens aber würde zuerst die Fähre den Betrieb einstellen, bevor sie hier oben die Segel streichen. Wahrscheinlich liegt es am Kaffeemangel, dass wir den Piloten nicht nach seinem Namen fragen. Cooler Typ!

Flug nach Helgoland mit OFD

wattenmeer helgoland

Düne Helgoland, keine Gemütlichkeit aufkommen lassen

Wir genießen den 20-minütigen Flug und staunen nicht schlecht, dass wir schon bei der Landung eine ganze Kolonie von Kegelrobben überfliegen. Wow. Am Flugplatz angekommen, gönnen wir uns erst einmal einen Kaffee im Flugplatzgebäude, lassen die entspannte Atmosphäre auf uns wirken und können dann doch nicht wirklich „runterkommen“. Draußen geht die Sonne auf, wir sind voller Entdeckerdrang. Der Kaffee bleibt halbvoll zurück, wir „müssen“ einfach los an den Strand. Überflüssiges Gepäck verstauen wir unter einem Tisch in der Wartehalle. Klaut bestimmt keiner, los geht’s.

Helgoland, noch eine lange Anna

Am Nordstrand – von Robben umgeben

Der Flugplatz nimmt mit seinen Start- und Landebahnen den östlichen Teil der kleinen Hochseeinsel ein. Wir gehen zunächst zum Nordstrand, der wenige 100m vom Flugplatzgebäude entfernt liegt. Hier ist ein kleiner Holzpfad gebaut, von wo aus die Robbenbabys fotografiert werden dürfen. Da wir etwas nach der Hauptgeburtenzeit (https://www.jordsand.de/schutzgebiete/helgoland/robbenbabies/) hier sind, dürfen wir uns auch auf dem Strand selbst bewegen.

Bitte Abstand halten

Vereinzelt liegen große und kleine Robben am Strand und schlafen. Es gilt immer mindestens 30m Abstand zu halten, um die Tiere nicht aufzuschrecken. Die Ranger der Gemeinde Helgoland und Mitarbeiter des Verein Jordsand helfen dankenswerterweise bei der richtigen Einschätzung des Mindestabstandes. Manchmal muss man aber fast etwas aufpassen, dass man nicht über ein kleines Tier stolpert.

Wir sind schon jetzt total begeistert! Es gibt ja kaum noch „echte Wildnis“ bei uns. Wo sonst können so große Tiere in ihrer natürlichen Umgebung und aus so kurzer Distanz beobachtet werden. Wow!

Kegelrobben Düne Helgoland

Die süßen Mini-Robben

Hauptsächlich sind wir allerdings wegen der kleinen Robbenbabies hier. Im Januar sehen wir noch einige Jungtiere. Die sind schon unglaublich süß mit ihren großen Augen und dem weißen Fell. Die kleinen Säugetiere müssen in kürzester Zeit Gewicht zulegen. Hier an Land sind sie relativ schutzlos und sie können mit ihrem dicken Pelz und ohne ausreichende Fettschicht noch nicht ins Wasser. Wer zu schwach ist, wird von den Rangern eingesammelt und kommt nach Friedrichskoog in die Aufpeppelstation.

Helgoland Robbe Robbenbaby

Helgoland Baby Robbe

Schützenswerte Kegelrobben

Wir finden es klasse, dass man sich hier so um die Tiere kümmert und ihnen gleichzeitig die Bedingungen gibt, weitestgehend ungestört ihren Nachwuchs auf die Welt zu bringen. Kegelrobben sind zwar nicht mehr vom Aussterben bedroht, aber dennoch schützenswert finden wir. Zumindest geht es uns so, dass wir beim Anblick von Wildtieren ein bisschen guten Glauben zurückgewinnen, dass wir Menschen doch noch ein bisschen Platz für andere Lebewesen lassen können.

Kegelrobbe Helgoland

Dass die Kegelrobben bei aller vermeintlichen Trägheit an Land durchaus gefährlich sein können, wird uns schnell klar. Die Tiere haben riesige Beißzähne und wenn sie erst mal losrobben haben sie auch einen ganz schönen Zahn drauf. Zudem wurde uns schon in Sankt Peter-Ording erzählt, dass ein Biss auch jede Menge Bakterien mit sich bringt.

Urlaubsfeeling am weißen Südstrand

Da der östliche Strand als Ruhezone für Spaziergänger gesperrt ist, gehen wir durch die Dünen zum Südstrand. Es ist windstill und die Januar-Sonne scheint auf den breiten, weißen Strand. Lange „Schleifspuren“ verraten, dass sich einige Tiere direkt in die Dünen gerobbt haben und hier schlummern. Uns zieht es zu der großen Kolonie am Ende des Strandes. Dort sind bestimmt 100 erwachsene und junge Robben, die sich von den Strandspaziergängern nicht sonderlich aus der Ruhe bringen lassen. Auch hier gilt natürlich Abstand halten. Zum Fotografieren benötigt Ihr ein gutes Objektiv.

Erst auf den Fotos stellen wir fest, dass viele Robben blutige Mäuler haben. Die Männchen fügen sich gegenseitig einige Verletzungen zu und die Kegelrobbe wird nicht ohne Grund als gefährlicher als der Wolf eingestuft.

Helgoland Südstrand

Sonne, Helgoland, Südstrand

Helgoland Düne Südstrand Leuchtturm

Nach 4 Stunden Fotografieren setzen wir noch einmal rüber nach Helgoland. Im einzigen geöffneten Restaurant in der Hauptstraße bekommen wir noch eine kleine Mahlzeit. Die „Lange Anna“ können wir uns allerdings nicht mehr anschauen.  Mit vielen Eindrücken, leeren Kamera-Akkus und gefüllten Speicherkarten setzen wir wieder zur Düne über und fliegen beseelt zurück aufs Festland.

Robbenbaby Helgoland Robbe

Robben auf Helgoland: Unser Fazit

Wir lieben einfach unsere Natur im Norden, genauso wie die entspannten Menschen hier und die wilden Tiere, vom Adler bis zur Kegelrobbe. Hoffentlich werden zukünftig noch weniger Tiere bejagt und der Öffentlichkeit so wieder mehr echte Natur ermöglicht. Nicht nur die Robben, denen durch den steigenden Meeresspiegel die Sandbänke und damit Lebensräume verloren gehen, haben es schwer genug.

Danke an alle, die sich für die Natur, Flora und Fauna in unserer Heimat einsetzen. Wir unterstützen Euch!

Anna und Michael

Helgoland & Robben: Relevante Informationen

Flüge nach Helgoland: Mit dem OFD unter anderem ab Heide-Büsum

Mit der Fähre geht es auch.

Der Verein Jordsand: Naturschutz im Norden

Atmosfair: hier könnt ihr den CO2 Ausstoß z.B. für den Flug berechnen und „kompensieren“

Unser Beitrag zur Seehund-Aufzuchtstation Friedrichskoog

Ausrüstung (Affiliate Links zu Amazon):

Wie schon erwähnt, empfehlen wir Euch eine gute Kamera mitzunehmen. Wir haben uns auch sehr intensiv mit unseren Objektiven auseinandergesetzt. Für unsere Sony Kamera und unsere Bedürfnisse eignet sich das Tele-Zoomobjektiv  Sony G Master SEL100400GM am besten.

Falls Ihr Euch für Helgoland oder das Equipment interessiert, schreibt uns gerne an. Wir haben uns viele Tipps und Meinungen eingeholt und uns am Ende beide das gleiche Objektiv gekauft.

OFD Heide-Büsum

Fußabdruck Helgoland Flug:

Für zwei Personen verursacht der Flug 186kg CO2. Eine Möglichkeit einen Betrag zur „Kompensation“ zu spenden, findet Ihr bei Atmosfair. Da wir nur noch regionale Naturschutzgruppen unterstützen, spenden wir einen kleinen Beitrag an den Verein Jordsand für seine tolle Arbeit bei uns im Norden.