Dies ist der zweite Teil unseres Abenteuerberichts zum Maelifell. Hier geht es zum ersten Teil.

Maelifell Zielgerade: Alleine auf der F210

Nach gut zwei Stunden auf der F232 kommen wir an die Abzweigung zur F210 und biegen links ab Richtung Mælifellsandur. Auch die Strútur Hütte ist hier bereits ausgeschildert. Bald muss der Mælifell am Horizont auftauchen. Und tatsächlich ist schon bald die Spitze des ikonischen Kegels zu sehen. Doch zwischen dem Mælifell und uns liegt noch eine unendlich große Schwemmebene. Wir sind gespannt, ob die Ebene passierbar sein wird. Sowohl Sand als auch Wasser könnten dafür sorgen, dass das Auto stecken bleiben kann.

Maelifell Maelifellssandur

Abenteuerliches Finale in der einsamen Schwemmebene

Die markierte Piste zwar gut erkennen, allerdings scheint es hier keine richtig neuen Spuren zu geben. So wie es aussieht, sind wir trotz der späten Uhrzeit die ersten, die heute diese Strecke fahren. Das Auto kommt öfter ins Schlingern, manchmal fahren wir vielleicht etwas zu schnell. Tiefschwarze Spritzer bedecken den Defender. Jetzt nur nicht steckenbleiben. Ohne Empfang, mehrere Stunden entfernt von der „Zivilisation“.

Ankunft am Maelifell Vulkan – ein Traum geht in Erfüllung

Je näher wir dem Maelifell kommen, desto mehr genießen wir, hier angekommen zu sein. 19 Monate nach der Entscheidung diesen Vulkan zu entdecken, freuen wir uns, dass dieser Traum nun in Erfüllung geht. Wir meinen zu spüren, dass von diesem Vulkan eine kraft ausgeht. Wir haben Gänsehaut und spüren die vollkommene Einsamkeit, eins mit der Natur und eins mit uns selbst. Seit Stunden war weder Mensch noch ein anderes Auto zusehen. Wir lassen das ganze erst einmal auf uns wirken, bevor wir beschließen zu unserem Tagesziel, der nahegelegenen Strútur-Hütte, zu fahren, voller Vorfreude, morgen bei Tag erneut hierher zu kommen. Es ist mittlerweile kurz vor Mitternacht und der Herbergsvater wartet bestimmt schon auf seine letzten Gäste.

letzte Kilometer zum Maelifell

Maelifell Juli

Mælifell FjallabakStrútur – eine Geisterhütte?

Die Hütte Strútur liegt am Rande der Schwemmebene und ist eine einfache Schlafsackunterkunft. Von hier aus lassen sich Tageswanderungen zu verschiedenen reizvollen Zielen unternehmen, z.B. nach Rauðubotnar, Hólmsárlón, Strútslaug oder zum Torfajökull. Da wir schon recht lange keinen Handy-Empfang mehr hatten, konnten wir niemanden Bescheid geben, dass wir sehr spät kommen würden. Wir waren sehr gespannt, was uns in der Strútur Hütte erwarten würde. Wer mal das bunte Treiben in den Wanderhütten von Kerlingarfjöll oder Landmannalaugar erlebt hat, weiß wie spannend und inspirierend so ein Aufenthalt sein kann. Die vielen Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt, die Gemeinschaftsküche mit den Kocharomen aus Russland und Indien, China und Europa und diese freundliche, entspannte Atmosphäre.

Maelifell Strutur Hut

In der Strútur-Hütte finden wir allerdings nichts von dem. Keine Zelte, keine Wanderschuhe vor der Tür, überhaupt keine Spur von niemanden. Nur ein vergessenes T-Shirt auf der Wäscheleine und die Island-Flagge vor dem Haus stellen sich trotzig dem kalten Wind und den aufziehenden Wolken entgegen.

Drinnen in der Hütte hören wir nur das Flattern der Fahne und den pfeifenden Wind. Eine ungewohnte Stille, nach der lauten Fahrt durch das Gelände. Wir stehen im Eingang, rechts der Essbereich, menschenleer, mit Platz für zwei Fußballmannschaften, links der Schlafbereich, Hochbetten, rote Bettlaken.

Strútur hut Maelifellsandur

Während Anna zum Test leise ins Notfunk-Mikro spricht, inspiziere ich die Gasöfen. So richtig selbsterklärend sind weder die Funkgeräte noch die Gasheizung. Funkt also beides nicht so richtig.

Gästebuch und Geisterhütte

Das Gästebuch verrät, dass vorgestern der letzte Gast hier war. Wer also das auch im Sommer einsame und unberührte Island sucht, hier oben im südlichen Hochland kann man sie noch finden, die totale Einsamkeit. Wir stellen beide fest, dass wir nicht so richtig vorbereitet waren. Der Hüttenwirt hat wahrscheinlich schon vor Stunden sein Warten auf uns aufgegeben, anrufen konnte er ja leider auch nicht. Wir hadern etwas mit unserer Situation in der leeren Hütte zu übernachten. Dann spüren wir ein leichtes Wackeln im Boden. Es stellte sich später heraus, dass vom Vulkan Hekla ein Erdbeben der Stärke drei ausging.

Strutur Wanderhütte

Bauchgefühl vs. Maelifell: Aufbruch um Mitternacht

Während tiefe Wolken und dichter Nebel über das Hochland ziehen, beschließen wir, unsere Sachen zu packen und reisen wieder zurück in Richtung Kirkjubæjarklaustur. Natürlich hinterlassen wir noch eine Nachricht, falls doch noch ein Herbergsvater kommt. Eigentlich ist hier zu finden, was viele Island Freunde suchen. Einsamkeit, das Gefühl etwas komplett Neues, Unberührtes oder zumindest Nicht-Überlaufenes anzutreffen. So ist Island eben. Man wird jedes Mal ein bisschen mutiger. Und das gehört auch dazu, es reicht eben nicht, Island nur einmal zu besuchen. Island ist wie ein spannendes Buch. Jeder Seite weckt Lust auf das nächste Kapitel. Wir können es nicht erwarten und freuen uns schon jetzt auf unsere nächsten Abenteuer in 2020.

Maelifell F210

Maelifell Fjallabak

 

Westfjorde Zauber des Nordens

Auch in dieser Ausgabe der ZAUBER DES NORDENS findet ihr zwei Artikel von uns. Hier könnt Ihr die Ausgabe bestellen.