Unser Besuch bei Helga in Ísafjödur 

Wenn Ihr in den Westfjorden unterwegs seid, dann kommt Ihr ganz sicher im eigenwilligen Städtchen Ísafjödur vorbei. Der kleine Ort im nordwestlichen Zipfel Islands hat uns schnell in seinen Bann gezogen. Der Hafen von Ísafjödur liegt gut geschützt im kleinen Fjord, umrahmt von steilen Tafelbergen. Die Bewohner gefallen sich in ihrer Unabhängigkeit und Abgeschiedenheit, liegt die Stadt doch fernab von anderen größeren Ortschaften mitten in den Westfjorden.

Dank unseres Reiseanbieters Katla Travel durften wir die deutsche Reiseführerin Helga treffen. So bekamen wir eine völlig neue Perspektive auf die Menschen und Pflanzen in Island und Ísafjödur. Helga ist bekannt für ihre geführten Touren durch die Stadt und durch die Natur. Wir besuchen sie bei strahlendem Sonnenschein in ihrem zauberhaften Garten, Fjordblick inklusive.

Salty Love | Isafjödur

Island mal ganz persönlich

Helga ist nicht nur ein ganz wunderbares Beispiel für die Bewohner Ísafjödurs, sie ist auch eine ganz tolle, mitreissende Erzählerin, Wegbereiterin und Vielwisserin über alles, was es hier in Ísafjödur und Island zu entdecken gibt. Wir treffen Helga direkt nach dem Frühstück zu einem kurzen Interview. Aus dem kurzen Interview wurden am Ende vier Stunden, in denen wir tief in die Isländische Kultur und die Pflanzenwelt Islands eintauchen.

Salty Love | Fjordblick in Isafjödur

Über Helga aus Ísafjödur

Seit über 30 Jahren lebt Helga in Island. Als ihre zwei Kinder noch klein waren, ist die studierte Sozialpädagogin von Berlin direkt in den Süden der Westfjorde gezogen. Derweil hat Helga sich selbst die isländisch Sprache beigebracht. Mit Karteikarten und Kassetten. Wir haben schnell gemerkt, dass Helga nicht nur unfassbar liebenswürdig ist, sondern auch schon immer sehr mutig und tough war. Wow.

Danach hat Helga verschiedene Dinge gemacht. Bevor sie in ihre heutige Heimat Ísafjördur zog, hat sie in Reykjavík die isländische Lehrerausbildung absolviert. Um den Unterhalt für sich und ihrem Sohn zu verdienen, ging sie abends und am Wochenende putzen. Hier in Ísafjödur war Helga auch an der Schule als Lernberaterin tätig und hat zudem die Ausbildung zum Local Guide in Isafjödur gemacht

Mit ihrer Neugier saugt sie noch heute Wissen auf und kennt sich bestens aus: Von der geologischen Geschichte bis zu dem saisonalen Wechsel der Flora und Fauna und den Westfjorden. Die IsländerInnen hier wirken so bodenständig aber auch so anpassungsfähig wie die Pflanzen, die hier in diesem harten Klima wachsen und gedeihen.

Isafjödur

Helgas Zaubergarten in Ísafjödur

Die Pflanzenwelt in Island hat es nicht leicht. Die Winter sind lang und dunkel, die Wachstumsphasen im Sommer sind entsprechend kurz. Die Landschaft ist entsprechend karg. Dennoch wachsen hier in Island viele Heilpflanzen. Dank Helga lernen wir diese in ihrem Garten und der Umgebung kennen.

Sehr weit verbreitet ist der Engelwurz. Hilft bei Magenbeschwerden und wird als Tee genutzt,  aber auch zu Schnaps und Zahnpasta verarbeitet.

Der wilde Thymian, zu erkennen an der tollen lila Blüte, dient sowohl als Heilpflanze, als auch als Gewürz zum Kochen. Helga nutzt ihn für Kräuterbutter, Suppen oder als Tee aufgebrüht bei Hustenbeschwerden.

Die Knospen des Knöllchen-Knöterich schmecken getrocknet wie Quinoa und eignen sich zum Beispiel fürs Müsli.

Das Wollgras, das sich auf der gesamten Insel findet, wurde früher als Docht für die Öllampen genutzt.

Aus dem Schachtelhalm und Frauenmantel lassen sich ebenfalls heilende Tees kochen.

Ja, einmal angefangen kommen wir aus dem Entdecken nicht mehr heraus. Grauer Ehrenpreis, Porzellanblume, wilde Violas, Bärenklau, Pfennigkraut, Wachholder und vieles mehr lassen wir uns ausgiebig erklären. Einige Pflanzen wie der Wacholder wachsen in den letzten Jahren schneller. Der Klimawandel beschert den Isländern auch hier oben ein wärmeres Klima.

Salty Love | Isafjödur Krähenbeere Island Ísafjödur

Helga, eine isländische Wegbereiterin

Unsere Gastgeberin führt nicht nur eigene „Walks“ mit Touristengruppen durch, Helga hat auch die Lizenz eigene Wege zu bestreiten und zu bereiten. Stolz zeigt sie von ihrem Garten hoch zu dem Tafelfelsen und einem kaum zu erkennendem Höhenweg, den sie durch häufiges Abgehen angelegt hat.

Wir beschließen gemeinsam die Berge hinauf zu fahren. Kurz nachdem wir den Blick von der alten Skihütte auf den Fjord genossen haben, knien wir auch schon auf dem Boden und pulen Krähenbeeren uns Moos aus dem Boden. Neben den Pflanzen Angelica, Engelwurz, Kerbel und dem Alpen-Frauenmantel hat uns das echte isländische Moos am meisten fasziniert. Hier hat Helga uns gezeigt wie wir das Moos erkennen und wie man das Moos sammeln darf.

Zum Abschluss machen wir noch einen  Spaziergang durch den „Birkenwald“. Da die Birken in den Westfjorden eher als Strauch über den Boden verteilen, hat man aus diesem Wald weiterhin beste Aussicht auf den Fjord. Die Bäume wachsen in Island sehr langsam und nicht besonders hoch. Wir haben in Island öfter Menschen von einem Wald sprechen gehört, obwohl die „Bäume“ kaum höher als kniehoch waren. Helga aber korrigiert, dass dies hier auch für Isländer nicht als Wald zählt, da die Bäume unter 2m bleiben. (Mehr zu den Wäldern im Süden findet Ihr hier)

Salty Love | Isafjödur Birkenwald Isafjödur

Salty Love | Hoch über Isafjödur Hütte

Die Menschen in Isafjödur

Wir haben von Helga auch gelernt, dass die Freundschaften in Island oft auf die Jugend zurück gehen. In den kleinen Orten ist man gerne unter sich und hält zusammen. Als neuer Bürger ist es nicht immer einfach in diese feste Gemeinschaft reinzukommen. Aber ist man erst einmal dabei, so sind die Isländer wahnsinnig hilfsbereit.

Die Menschen in Island sind gefühlt ihrer Natur näher als wir hier. Sie spüren die Verantwortung gegenüber der Natur und behandeln diese mit Respekt. So haben wir in Island mehrfach gesehen wie Menschen auf dem Gehweg Müll eingesammelt haben, in der Mittagspause. Es ist selbstverständlich für die Isländer, dass vor Ostern von alle Strände vom Müll befreit werden. Man macht das einfach.

Salty Love | Isafjödur Ísafjödur

Liebe zu der Natur

Wir lernen viel am heutigen Tag. Die Isländer sind festverwurzelt. Echte Freundschaften werden bereits in der Jugend geknüpft, die Familie steht immer an erster Stelle und man hilft sich hier immer. Die Isländer leben nicht nur in der Natur, sie leben auch mit und von der Natur. Überleben hieß in der Vergangenheit auch immer die Jahreszeit lesen zu können und auf die richtigen Ressourcen zugreifen zu können.

Am besten lernt man den richtigen Umgang mit der Natur von einem Guide wie Helga. Gerade in Island wachsen aufgrund des rauen Klimas die Pflanzen nur sehr langsam. Daher ist es wichtig immer die Natur zu respektieren und schonend mit ihr umzugehen.

Hier oben, in den abgeschiedenen Westfjorden, spüren wir den Stolz auf die eigene Geschichte und die Liebe zur Natur noch intensiver als an anderen Orten in Island. Wahrscheinlich hätte es uns keiner überzeugender vermitteln können als Helga, die uns jede noch so abwegige Frage geduldig und leidenschaftlich beantwortete. Egal, ob Ihr mit dem Schiff, Auto oder Flugzeug nach Isafjödur kommt, bucht unbedingt einen Walk mit Helga. Wir hätten noch Stunden bleiben können, allerdings hatten wir noch eine Verabredung mit Gunhildur.

Vielen Dank liebe Helga für diesen wunderbaren Tag mit Dir! Wir sind sehr froh, dass Du Dir so viel Zeit genommen hast.

Kontakt zu Helga

Helga Ingeborg Hausner,

Tourist Guide for the Westfjords

Website: isafjordurguide.is

Salty Love | Isafjödur Helgas Garten Ísafjödur