Naturreservat Hornstrandir – Unberührtes Paradies am Polarkreis

Das Naturreservat Hornstrandir liegt am nordwestlichsten Rand der Westfjorde, ganz nah am Polarkreis. Die völlig unbewohnte Halbinsel im Arktischen Ozean liegt nur 300 Kilometer von Grönland entfernt. Die Unberührtheit der Natur macht Hornstrandir zu einem atemberaubenden Naturparadies. Wir hoffen, dass wir hier die vielerorts vom Aussterben bedrohten Polarfüchse sehen und fotografieren können.

Der Polarfuchs – bedrohter Ureinwohner

Schon lange bevor die Wikinger Pferde und Schafe einführten, war dieses Säugetier in Island heimisch. Der Polarfuchs ist eng mit der Geschichte Islands verbunden. Sein Fell ist im Winter weiß und im Sommer braun, so dass er immer gut getarnt ist. Aufgrund der ausgezeichneten Isolationseigenschaften des Fells, kann der Fuchs auch bei Minus 70° C überleben.

Auch Menschen lieben das warme Fell. So wurde der Fuchs in Island bis in die 1950er Jahre unnachgiebig gejagt. Mit der Züchtung ist dieser „Grund“ zwar weggefallen, jedoch wird der Fuchs in Island und auch besonders in den Westfjorden unnachgiebig bejagt.

Polarfuchs Hornstrandir

Foto: Peer von Wahl, https://wildphotowonders.de

Ein Grund für die Bejagung ist die „Pflege“ der in den Westfjorden beliebte Eiderenten. Die Isländer sammeln die wärmenden Daunen aus den Nestern der Enten und verkaufen diese. Für ein paar Höfe ein besonders lohnendes Geschäft. Auch bei uns in Deutschland sind die Daunen in Bettdecken und Kissen ausgesprochen beliebt.

Neben der Bejagung durch den Menschen ist der Polarfuchs besonders stark vom Klimawandel betroffen. Je weniger Schnee, desto weniger nutzt dem Polarfuchs seine weiße Tarnung. Insbesondere in Norwegen und Schweden gibt es deswegen schon Programme, um den fast ausgestorbenen Polarfuchs wieder anzusiedeln.

Immerhin: Das Naturreservat Hornstrandir ist das letzte Refugium, in dem der Fuchs bei Strafe nicht geschossen werden darf. Das abgelegene Hornstrandir ist also einer der wenigen verbliebenen Orte, wo die Füchse in Frieden leben und auch ihre Jungen aufziehen können, ohne den Jägern zum Opfer zu fallen. Der einsame Landzipfel im äußersten Nordwesten ist also der ein perfekter Ort für Natur und Naturliebhaber gleichermaßen.

Hornstrandir Westfjorde

Foto: Peer von Wahl, https://wildphotowonders.de

„Hornstrandir Fox Watching“ mit Borea Adventures

In den ersten Juli-Wochen erblicken die Jungfüchse das Licht der Welt und wir hoffen, ein paar gute Fotos von den Polarfüchsen und ihrem Nachwuchs schießen zu können.

Der Anbieter Borea Adventures bietet mehrmals in der Woche Bootsüberfahrten von Ísafjörður ins Naturreservat an. Im Reservat gibt es keine Straßen, nur vereinzelte Wanderpfade. Borea steuert mehrere Anlegestellen in Hornstrandir an und unterhält neben der Kvíar Hütte (im Süden von Hornstrandir) noch ein Camp in Hornvík im Norden.

Wir buchen bei Borea die eintägige „Fox Watching“ Tour und freuen uns sehr, dass wir die Füchse und ihre Jungen aus der Nähe werden sehen können. So verspricht es der Veranstalter auf seiner Website. Die Bootsfahrt von Ísafjörður nach Hornstrandir ist für uns schon ein tolles Erlebnis. Die früh morgens noch tief stehende Sonne glitzert im Wasser. Die Fahrt über das offene Meer und die Fjorde Ísafjarðardjúp (deutsch: Eisfjordtiefe) und Jökulfirðir (deutsch Gletscherfjorde) sind beeindruckend. Steile Felsen steuerbord, das offene Arktische Meer backbord. Dazu zwei Buckelwale die ungestört an der Oberfläche verharren, bevor sie wieder abtauchen. Wir fahren eine Weile an der Küstenlinie Hornstrandirs entlang und sehen nur ganz vereinzelt mal ein paar  Sommerhütten. Ja, so sieht die entlegenste und unbewohnteste Region in Island aus.

Fahrt nach Hornstrandir

Die Kvíar Lodge: Unberührtes Paradies in Hornstrandir

Die Kvíar Lodge liegt malerisch an einem kleinen Strand auf einer Landzunge zwischen den beiden kleineren Fjorden Lónafjörður (dt. Lagunenfjord) und Veiðileysufjörðu (dt. Fjord ohne Fischfang). Wir sind überwältigt wie dicht und wie hoch hier die Pflanzen wachsen, und wie viele Blumen hier sprießen. So eine Flora haben wir auf ganz Island noch nicht gesehen und hier oben im noch kälteren Norden wirklich nicht erwartet.

Hier in der seit Jahrzehnten unberührten Natur stellen wir fest, wie sehr wir Menschen die Natur beeinflussen und begrenzen. In Island sind es die Schafe die jegliche Gräser, Blumen, Sträucher und Pflanzen kurzhalten. Nicht so hier: Seit 1950 ist Hornstrandir fast komplett verlassen und so konnten sich die Pflanzen- und Tierwelt in den letzten Jahrzehnten frei entfalten und eines der lohnendsten Ziele für Wildtierfreunde entstehen.

Kviar Lodge Hornstrandir

Die Füchse der Kvíar Lodge

Der Anbieter Borea verspricht, dass die Füchse unmittelbar neben der Hütte ihren Bau haben und oft auch zu der Hütte kommen. Umgerechnet 350 € kostet der Ganztagesausflug. Nachdem wir die Gegend auf eigene Faust ein wenig erkunden konnten, erfahren wir, dass es in diesem Jahr keine Fuchsfamilie in der näheren Umgebung gibt. Zumindest kommen sie nicht zur Hütte und auch auf unserer kleinen Wanderung hält der Guide nicht wirklich Ausschau. Später lernen wir, dass die Wahrscheinlichkeit bei einer Wanderung den gut getarnten Polarfuchs zu entdecken, ungefähr so groß ist, wie im deutschen Wald ein Wildschein zu treffen.

Warum wir in diesem Sommer hier keine Füchse mehr antreffen? Laut unseres Guides liegt es daran, dass jemand auf die Füchse geschossen hatte, und sie deswegen nicht mehr zum Haus kommen. Auch in Island kollidieren Interessen von Jägern mit den Interessen von Naturliebhabern. Was wir aber auch lernen, um in der Wildnis Tiere zu fotografieren, bedarf es mehr als nur einen kurzen Tagesausflug und einer Kamera. Natürlich wäre es schön, wenn der Anbieter das auch vorab klarer kommuniziert hätte.

Westfjorde Island

Echte Wildtier-Erlebnisse kann man eben nicht kaufen

Wir lernen noch viel an diesem Tag. Nicht nur über Flora und Fauna, sondern auch über Leidenschaft, Geduld und Hingabe, die anspruchsvolle Wildtier-Fotografen auszeichnet. Einer von diesen Fotografen ist Peer von Wahl, den wir hier beim gemeinsamen Mittagessen in der Hütte kennen lernen.

Peer hat seine Arbeit auf Tier- und Landschaftsfotografie fokussiert. Vor allem aber scheut er keine Mühen für seine Bilder, die ihr auf seiner Website https://wildphotowonders.de/ bestaunen könnt. Er hat schon unzählige bedrohte Tierarten fotografiert. Von Eisbären auf Spitzbergen bis Wolfsrudel in Finnland. Für die Wolfsbilder lag er 24h im kalten Schlafsack und hat auf die Wölfe gewartet. Je abgelegener und je einsamer, desto besser.

Polarfuchs Hornstrandir

Foto: Peer von Wahl, https://wildphotowonders.de

Hier in Island ist Peer nun bereits um siebten Mal. Leider bestätigt er, dass die Füchse in diesem Jahr nicht zu uns kommen werden. Er ist nicht nur für einen Tag wie wir hier, sondern bleibt eine ganze Woche. Tatsächlich wird es Peer später noch gelingen, einen Fuchs zu fotografieren. Für seine Bilder hat er sich mehrere Stunden auf die Lauer gelegt, in der Hoffnung, dass ein Polarfuchs irgendwann an der Wasserkante nach etwas essbaren suchen würde. Ohne Einsatz und Geduld geht es eben einfach nicht.

 

Peers Profi-Tipps für Polarfuchs-Fotografie

Polarfuchs Fotografie Peer von Wahl
Peer von Wahl, https://wildphotowonders.de

Grundsätzlich ist Hornstrandir ein sehr guter Ort, um Polarfüchse anzutreffen. Im Sommer ist die von uns besuchte familienfreundliche Kvíar Lodge allerdings nicht so gut geeignet. Besser ihr fahrt ganz in den Norden nach Hornvík und schlagt dort Eure Zelte auf. Dort im Norden gibt es mehr Füchse und diese trauen sich auch näher ans Zelt. Für Hartgesottene wie Peer ist der Winter nochmal eine bessere Zeit, um den Polarfuchs zu fotografieren. Dann trägt er sein charakteristisches weißes Fell und das im Winter besonders knappe Nahrungsangebot lässt ihn näher an Zelte rankommen.

Manche Fotografen legen etwas Trockenfisch aus, damit sie den Fuchs besser anlocken und fotografieren können. Grundsätzlich gilt aber, kein direktes Füttern. Je mehr sich der Fuchs an die Menschen gewöhnt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass er irgendwann von diesen erschossen wird.

Wir vereinbaren mit Peer, dass wir seine Bilder bei uns auf dem Blog nutzen dürfen und packen unsere Taschen für die Rückfahrt. Peer greift sich sein Satellitentelefon, da er jeden Tag 10 Minuten mit seiner Firma in Deutschland telefoniert. Schon als wir ablegen und Peer und seine Gastgeber zurücklassen, können wir noch gar nicht ganz begreifen, was für einen wunderbaren Ort wir hier verlassen.

Erst nach unserer Ankunft in Ísafjörður schauen wir uns Peers Website an und stellen fest, was für einen großartigen Fotographen wir kennengelernt haben und was für eine wunderbare Einstellung er zu den bedrohten Wildtieren hat. Schnell beschließen wir, uns dem Thema Wildtierfotografie deutlich ernsthafter zu widmen als bisher. Das heißt für uns auch, mehr Vorbereitung, mehr Hingabe und noch mehr Dankbarkeit und Respekt für die wilde Natur.

Für uns endet ein unvergessliches Erlebnis und ein neues Abenteuer beginnt. Die nächste Reise nach Island und Grönland startet schon in wenigen Monaten. Danke lieber Peer für Deine tolle Inspiration!

Über Peer von Wahl (wildphotowonders.de)

Peer von Wahl beschäftigt sich seit 1971 mit der anspruchsvollen Tier- und Naturfotografie. Jede seiner Expeditionen steht ein bestimmtes Tier im Vordergrund, seien es die Wölfe in Finnland, die Eisbären in Spitzbergen oder Moschusochsen in Grönland.

Seine Motive findet er im Wesentlichen in Nordeuropa zu allen Jahreszeiten. Immer geht es darum, besondere Augenblicke mit Wildtieren fotografisch auf hohem Niveau zu konservieren.

Uns beeindrucken seine ausdrucksstarken Bilder, die uns als Betrachter mitnehmen und mitreißen. Im Gegensatz zu manchen hochgestylten Naturaufnahmen in Hochglanz-Magazinen, wirken Peers Bilder auf uns näher dran, authentischer und berührender.

Mit seinen Bildern versucht Peer nicht nur die Vielfalt, Schönheit und Einzigartigkeit der Natur für sich persönlich festzuhalten. Ihm geht es auch darum, Menschen wie uns die Faszination der Natur zugänglich zu machen und bei der Betrachtung der Aufnahmen dafür zu gewinnen, das „wilde Wunder Natur“ zu schützen und zu erhalten. Nebenbei unterstützt Peer auch Initiativen zum Schutz der bedrohten Eisbären.

Mein Anliegen ist es, dem Betrachter (…) die Faszination der Natur zugänglich zu machen und ihn bei der Betrachtung der Aufnahmen dafür zu gewinnen, das „wilde Wunder Natur“ zu schützen und zu erhalten.

Peer von Wahl / wildphotowonders.de

Polarfuchs Westfjorde

Foto: Peer von Wahl, https://wildphotowonders.de

Polarfüchse fotografieren in Hornstrandir – Peers Profi-Tippls

Wir hatten etwas Pech mit unserem Anbieter. Für alle die vorhaben, Füchse anspruchsvoll zu fotografieren, haben wir Peer nach den richtigen Anbietern gefragt. Hier kommen seine drei Empfehlungen. Mit allen war Peer schon unterwegs und kennt sie persönlich. Alle Anbieter führen Touren ausschließlich in kleinen Gruppen durch.

Phil Garcia:

Profi Fotograph und Tour Guide bietet mehrere Fuchs- und Landschaftstouren Touren in Hornstrandir an. Seine Bilder sind Grundlage des bekanntesten Fotobuches in Island „Melrakki“.

https://www.explographe.com/

 

Joschua Holko

Joschua ist ein internationaler Top-Fotograf, der jedes Jahr im Winter in Hornstrandir Füchse fotografiert. Peer ist viel mit ihm unterwegs.

https://jholko.com/workshops

 

Daniel Bergmann

Mit Daniel hat Peer seine Landschaftsexkursionen in Island gemacht. Er bietet auch private Island-Touren auf Anfrage an.

https://www.danielbergmann.com/workshops

 

Dieser Text ist in dem Magazin Zauber des Nordens (Ausgabe 2020.2, Westfjorde) erschienen. Ihr könnt das Magazin und andere Ausgaben hier käuflich erwerben.

Westfjorde Zauber des Nordens

Auch in dieser Ausgabe der ZAUBER DES NORDENS findet ihr zwei Artikel von uns. Hier könnt Ihr die Ausgabe bestellen.

 

Lest auch unsere weiteren Artikel auf unserem Blog zu den Westfjorden oder zu Island. Viel Spaß damit.

 

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