Ihr Lieben,

heute gibt es ausnahmsweise einen persönlichen Meinungsbeitrag von uns.

Vielleicht aufgrund unserer Liebe zum Meer („Salty Love“) und unserer Reise nach Island, wurden wir viel zum Thema Walfang gefragt.

 

Island ist eines von wenigen Ländern, die noch (oder wieder) am Walfang festhalten

Kristjan Loftsson ist Chef der isländischen Firma Hvalur hf. Es ist die einzige Firma, die in Island Walfang betreibt. In diesem Jahr stehen 238 Finnwale auf seiner Abschussliste.

Weltweite Aufmerksamkeit und Empörung löste der im Juli getötete Blau-Finnwal-Hybride aus, da das Töten von Blauwalen selbst in Island verboten ist. Die noch selteneren Hybriden wiederrum sind nicht geschützt, so dass der Isländische Captain Ahab straffrei weitermachen darf, zumindest nach lokalen Recht.

Wir haben eine sehr klare Meinung und unterstützen Organisationen, wie „Sea Shepard“ oder „Hard to Port“, die gegen den wirtschaftlich unnötigen, unrentablen und grausamen Walfang vorgehen.

Wie können also die Isländer so ein gleichsam antiquiertes und grausames Handeln weiterhin dulden?

Je mehr wir uns mit den Isländern beschäftigt haben, desto mehr haben wir auch die isländische Sicht nicht auf den Walfang, sondern auf uns EU-Europäer einbezogen.

Wir lieben die isländische Mentalität. Zum Beispiel die Gelassenheit der rund 350.000 Isländer. Lichthupen auf der Schnellstraße werden nicht zum Drängeln benutzt, sondern um den Touristen an sein Licht (und seine Sicherheit) zu erinnern. Der Isländer ist diszipliniert und respektvoll. Niemals aufdringlich.

Man könnte meinen, die Isländer teilen einfach gerne. Ihre Erfahrung, ihr Lächeln, ihre Gelassenheit…

Wer durch Island fährt, wird auch feststellen, dass es kaum Verbotsschilder gibt. Es gibt klare aber einfache Regeln zum Naturschutz und zur Sicherheit. Vielleicht ist Island das Land mit den meisten Freiheiten der Welt, und der schönsten Natur. Island ist das größte Naturschutzgebiet und besitzt die größten Nationalparks. Es gibt kaum ein Land, welches solche Freiheiten auf schwierigen 4×4 Jeep-Pisten bietet.

Gleichzeitig landet man aber auch schnell in der lokalen Presse, wenn man diese Pisten verlässt und die fragile Flora verletzt. Beim Umweltschutz verstehen die Isländer keinen Spaß und das ist leider aufgrund der Touristen auch notwendig.

Man findet auf Island keine extensive Landwirtschaft. Der Obst- und Gemüseanbau findet in geothermalen Bio-Gewächshäusern statt. Die wichtigsten Nutztiere, Schafe, leben (im Sommer) nicht eingepfercht, sondern in Freiheit auf der Insel verteilt. Qualvolle, unethische Massentierhaltung, Boden- und Lebensgrundlagen-vergiftende und ausbeuterische Landwirtschaft wie bei uns haben wir in Island nicht gefunden.

Eine letzte Beobachtung. Es gibt in Island offenbar keinen Müll. Trotz zwei Millionen Touristen jährlich finden sich nicht mal an Rastplätzen zurückgelassene Zigarrettenkippen.

Wir könnten noch zwanzig weitere Beispiele aufzählen, bei denen wir so viel von den Isländern lernen können und müssten.

Während wir und unsere Landwirtschaft jeglichen Bezug zum Land verloren haben, wir weiterhin ungebremst Fleisch und damit den Klimakiller Nummer 1 konsumieren und die unethische Massentierhaltung weiterhin dulden, empören sich viele (wir auch) über 238 Finnwale in Island.

Ja, wir empören uns, denn Wale sind hoch intelligente Tiere, magische wundervolle Wesen. Dennoch sehen wir, dass es bei uns viel mehr Probleme gibt, die „wir“ gerne verdrängen oder mit denen wir uns nicht so gerne beschäftigen.

Und unsere Hauptaussage: So lange wir in Deutschland und der EU unsere giftige, bodenverseuchende, klimakillende, tierquälende, Landwirstschaft nicht ernsthaft hinterfragen, haben wir eigentlich kein Recht mit Fingern auf andere Länder zu zeigen.

Island ist eine Fischfang-Nation, geographisch naheliegend, geologisch mit begrenzten Möglichkeiten zur Landwirtschaft. Dennoch ist der Walfang unwirtschaftlich und nur noch rund 30% der Isländer dafür. Die Walfang-Lobby ist stark und eng mit der Politik verbunden. Wir bewundern alle Isländer, und ganz besonders die, die sich für ein Ende des Walfangs einsetzen.

Die links-grüne Premierministerin Islands hat angekündigt, den Walfang in Frage zu stellen. Sie führt eine fragile links-rechts Regierung und hat wenig eigene Ministerien. Kein einfaches Unterfangen.

Wir drücken ihr und Island die Daumen, dass sie sich irgendwann gegen die Barbarei und Wilderei durchsetzt und Island ein starkes Zeichen für Ethik und für sich setzt.

Und ja, wir unterstützen Organisationen, die sich für den Erhalt und Schutz der Meere einsetzen, nicht nur in Island, auch in unserer Ostsee zum Beispiel.

Und ansonsten nehmen wir unsere Erfahrung mit, um unseren eigenen Konsum und die Land- und Fischwirtschaft von Flensburg bis Almeria weiter in Frage zu stellen.

Vielen Dank für Euer Interesse. Schreibt uns gerne Eure Meinung oder kommentiert unter diesem Beitrag.

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