Moin,

vielleicht erinnert Ihr Euch. Wir hatten letztes Jahr einen kleinen Heuler in SPO gefunden und diesen dann in die Obhut eines Seehundjägers gegeben. Die rührende Geschichte des kleinen findet Ihr hier.

Damals hofften wir, dass der kleine Heuler schnell den Weg zur Aufzuchtstation in Friedrichskoog finden würde. Dazu kam es damals ja leider nicht mehr. Die wenige Monate alte Robbe war einfach zu geschwächt.

Nachdem wir  gestern einen Seehund direkt am Eider-Sperrwerk gesehen haben, besuchen wir heute mit den Kids die Seehundstation Friedrichskoog und dürfen hier für unser neues Projekt „Saltyfriends“ (mehr dazu in Kürze) der Diplom-Biologin Eva ein paar Fragen stellen.

Falls Ihr die Seehundstation noch nicht kennt, ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Auf der Autobahn von Hamburg Richtung Heide weist Euch bereits ein Schild mit einem Seehund den Weg nach Friedrichskoog, lange bevor ihr die salzige Meerluft riechen könnt.

In der Seehundstation könnt Ihr Seehunde im Becken über und unter Wasser beobachten und in der Ausstellung viele interessante Dinge über dass Wattenmeer und ihre Bewohner lernen. Wusstet Ihr zum  Beispiel, dass die Kegelrobbe Deutschlands größtes Raubtier ist und bis zu 40 Jahre alt werden kann?

Es ist schon toll, die Seehunde aus nächster Nähe beobachten zu können. Wir sind allerdings nicht nur zum Staunen hier, sondern haben ein paar Fragen mitgebracht und freuen uns, dass sich Eva extra Zeit für uns nimmt:

Hallo Eva, danke dass Du Dir Zeit für uns und unsere Fragen nimmst!

Wir sind total begeistert von den Robben. Was genau macht Ihr hier und was erwartet die Besucher?

Wir kümmern uns hier ganzjährig um drei Bereiche. Zum Einem haben wir viele Forschungsprojekte rund um die Robben. Desweiteren wollen wir informieren, in Führungen und in unserer Ausstellung oder auch im Multimar Wattforum, mit dem wir zusammenarbeiten. Und als Drittes kümmern wir uns um Jungtiere („Heuler“) die von ihrer Mutter getrennt wurden und alleine nicht überleben können.

 

Ihr habt ja unterschiedliche von einander getrennte Bereiche. Hier vorne im Besucherbereich kommt man den Tieren ganz nah. Die meisten Becken sind weiter hinten. Was hat es damit auf sich?

Ja, genau. Hier vorne  befinden sich unsere Dauergäste. Das sind Kegelrobben und Seehunde, die aus verschiedenen Gründen nicht ausgewildert werden konnten oder bereits in Gefangenschaft geboren wurden. Wir haben hier fünf Seehunde und zwei Kegelrobben.

In den vielen Becken weiter hinten, befinden sich die Jungtiere, die möglichst schnell wieder ausgewildert werden sollen. Die Becken befinden sich weiter hinten, da die Tiere nicht an Menschen gewöhnt werden sollen.

Die jungen Kegelrobben im hinteren Becken können wir erst jetzt nach dem Winter auswildern, die „Neuzugänge“ erwarten wir dann ab Mai, ab dann werden nämlich die Seehunde im schleswig-holsteinischen Wattenmeer geboren.

Ihr habt hier Kegelrobben und Seehunde. Was ist der unterschied zwischen den Tieren? Welche Tiere leben in unserer Nordsee?

Robbe ist der Oberbegriff für mehrere Arten, Seehund ist eine Art. Robben werden in drei Familien unterteilt: Ohrenrobben, Hundsrobben (ohne sichtbare Ohrmuscheln) und das Walross.

An unserer Nordseeküste leben zwei von weltweit 35 Robbenarten: der Seehund und die Kegelrobbe. In seltenen Fällen kann man auch Ringel-, Sattel- und Bartrobben antreffen.

 

Wo leben die Seehunde und Kegelrobben?

Seehunde und Kegelrobben leben sehr küstennah auf der gesamten Nordhalbkugel. Im Wattenmeer ruhen Seehunde bei Ebbe auf Sandbänken. Man kann sie auch in freier Wildbahn finden. Es gibt Bootsfahrten zu den Sandbänken von Büsum aus. Auch auf Helgoland kann man die Tiere beobachten.

Was macht die Robben so besonders?

Es sind die größten Säugetiere, die bei uns heimisch sind, und die größten Raubtiere Deutschlands.

Viele Kinder lieben die süßen Kulleraugen und vor allem die kleinen Heuler. Aber Vorsicht, Robben sind keine Streicheltiere. Auch wenn sie an Land eher träge aussehen, können sie sich schnell bewegen. Und ein Biss kann auch wegen der Bakterien sehr gefährlich werden.

Wie gefährdet ist der Bestand der Kegelrobben und der Seehunde?

Nachdem die Kegelrobben fast ausgerottet waren, wächst der Bestand kontinuierlich. Dies liegt daran, dass sie nicht mehr gejagt werden dürfen. Dennoch sorgen Schadstoffe aus der Landwirtschaft, aus Haushalten, Industrie und Schifffahrt für eine gravierende Schwächung der Tiere. Über die Nahrungskette reichern sich die Robben, genau wie der Mensch mit Schadstoffen an. Insofern begrüßen wir es auch, dass sich die Menschen jetzt anfangen stärker mit dem Plastikmüll auseinanderzusetzen.

Die Bestände sind also nicht bedroht?

Nein, die Heuler die zu uns kommen haben oft den Kontakt zur Mutter verloren, oftmals, weil die Tiere von Menschen gestört wurden.  Wir ziehen die Tiere auf mit dem Ziel sie möglichst schnell wieder auszuwildern. Sobald sie wieder ausreichend Gewicht haben, bringen wir sie zurück ins Meer. Finanziert wird die Heuleraufzucht u.a. durch Patenschaften von privaten Personen und Sponsoren.

Wir freuen uns, dass sich die Populationen erholen, wissen aber auch, dass die Gefahren eher zunehmen. Dies gilt allerdings nicht nur für die Robben. Auch andere Tiere sind von lokalen und globalen Veränderungen bedroht. So sorgt der Klimawandel für steigende Meeresspiegel und gefährdet die wichtigen Sandbänke und somit die Lebensräume der Robben.

Was können wir Menschen tun?

Grundsätzlich gilt, die Störungen für die Tiere zu reduzieren. Je weniger Schadstoffe, z.B. Mikroplastik über die Flüsse in die Nordsee gelangt, desto besser. Wichtig ist auch immer ausreichend Abstand zu den Tieren zu halten, da sie hierauf gerade an Land panisch reagieren und dabei Jungtiere überwälzen oder diese verlieren können.

Wenn ein Heuler am Strand gesichtet wird, sollte ein großer Abstand von mehr als 50 Metern eingehalten werden. Oft ist die Mutter noch in der Nähe, meidet aber die Nähe von Menschen.

Am besten ist es, einen Seehundjäger anzurufen. Dieser kommt dann und kümmert sich um den Heuler. Auf keinen Fall das Tier anfassen. Achtet auch darauf, Hunde fernzuhalten. Auch im Interesse des Hundes.

Was war Dein schönstes Erlebnis seit dem Du hier bist?

Viele unserer Gäste schicken uns Fotos, wenn Sie Seehunde sehen. Wir können dann Tiere identifizieren, die wir bei uns aufgezogen haben. Neulich bekamen wir ein Foto von Kegelrobbe „Sternchen“, einem Heuler aus dem Jahr 2012, nachdem sie ein Junges geboren hat.

Das war wirklich bewegend zu sehen, dass unser Sternchen den Weg zurück in die Gemeinschaft geschafft hat und sogar selbst Nachwuchs bekommen hat.

 

Liebe Eva, der Besuch bei Euch ist sehr bewegend und finden Eure Arbeit toll. Wir freuen uns schon auf unsere Patenschaft für den kleinen „Salty“. Wir werden weiter auf unserer Seite über Euch berichten. Vielen Dank für Deine Zeit und die vielen Einblicke in Eure Arbeit und das Leben der Robben und Seehunde.