So Ihr Lieben,

wir wollten schon längst über die schönen Ecken Islands ein wenig mehr schreiben.

Island lässt sich hervorragend mit dem Auto bereisen, daher wollen wir euch gerne unsere Erfahrung zu Islands Straßen und Wissenswertes rund um das Thema Autofahren näher bringen.

Wir waren jetzt im Winter und im Sommer auf Island. Im Winter mit einem Toyota Land Cruiser und im Sommer mit einem Land Rover Defender.

Also, anschnallen bitte. Hier kommen unsere 10 Tipps für Autofahrer in Island:

 

  1. Welcher Fahrzeugtyp ist der richtige?

Am Anfang mag man dazu tendieren, den günstigsten Wagen zu nehmen. Die Ring Road ist größtenteils asphaltiert und auch im Winter meist gut befahrbar. Die Golden Circle Route ebenfalls. Ach ja, und die Strecke vom Flughafen nach Reykjavik ist eine solide Schnellstraße.

Da man doch immer wieder in die Versuchung kommt ,eine holprige Schotterpiste zu fahren, solltet Ihr aber besser gleich ein geländegängiges Fahrzeug mit guter Federung wählen.

Habt Ihr vor auf den sogenannten F-Roads zu fahren, benötigt Ihr 4×4 Fahrzeuge. Je mehr Bodentiefe desto besser. Die Rangers fahren im Toyota Hillux, wir haben uns für den Land Rover Defender entschieden und waren sehr happy damit. Mehr dazu weiter unten bei den F-Roads.

 

  1. Welche Autoversicherungen brauche ich in Island?

Mit den Versicherungen ist das ja so eine Sache. Es gibt recht viele Zusatzversicherungen mit Abkürzungen. Zur Vereinfachung hier ein Überblick mit abnehmender Wichtigkeit (aus subjektiver Sicht)

  • Die Haftungsbeschränkung bei Kollisionen (CDWCollision Damage Waiver) ist meist im Preis enthalten. Weiter..
  • Optionale Versicherung zur Reduktiuon des Selbstbehalts (SCDW – Super Collision Damage Waiver): Wir würden diese Option empfehlen, schaut am besten, was sie in Eurem Fall kosten würde und wie hoch der Selbstbehalt ohne diese wäre. Selbst unser rostiger Defender wurde bei der Rückgabe sehr genau unter die Lupe genommen, ob nicht irgendwelche Lackschäden hinzugekommen sind.
  • Schutz vor Steinschlag und Schotterschäden (GP – Gravel Protection): Würden wir ebenfalls empfehlen, wenn Ihr nicht nur auf der Ring Road (auch die besteht übrigens zum Teil aus Schotterpiste) fahren wollt. Es ist einfach so, dass überholende Fahrzeuge oft zu schnell fahren und Ihr chancenlos seit, wenn die Steinchen angeflogen kommen.

  • Dann ist da noch der Schutz vor Sand- und Aschestürmen (SAAP/SADW – Sand & Ash Damage Waiver). Wir haben diesen nicht abgeschlossen, die Dame bei der Autovermietung sagte, wir bräuchten dies ganz bestimmt nicht. Also, wir sind einige sehr harte Sandstürme gekommen und wir haben uns sehr Sorgen um den Lack gemacht. Scheint aber dem Lack nichts auszumachen, von daher raten wir nicht zwingend zu dieser Versicherung.

 

Achtung: Fahrten durch Wasser, Schäden an Reifen, dem Unterboden und dem Motor sind in den regulären Versicherungen nicht abgedeckt. Es gibt einfach zu viele verlockende Optionen das (Auto-)Schicksal herauszufordern, besonders auf den vielen Schotterpisten.

Ebenfalls nicht abgedeckt sind die Schäden an Türen. Wahnsinn, der Wind ist echt so ein kleiner Türenkiller. Muss wohl oft vorkommen, dass die Türen vom Wind rausgerissen werden oder den Lack des Nachbar-Autos mitnehmen. Wir haben uns angewöhnt beim Aussteigen, die Tür mit dem Fuß festzuhalten.

 

  1. Wetter und Sicherheit

Wir können hier zwar darüber schreiben, aber man muss es wohl selbst erleben. Ja, das Wetter ändert sich schnell, sehr schnell. Eben noch strahlender Sonnenschein, dann plötzlich einer 400m Hohe Nebelwand, die apokalyptisch das Sonnenlicht aufsaugt.

Genauso gibt es sehr starke Winde, nicht nur in Verbindung mit Sand (Sicht) eine harte Mischung.

Teilweise flutet der Regen ganze Straßen und im Hochland sollte man vor jeder Fahrt die Straßenverhältnisse checken. Bis weit in den Sommer sind hier die Pisten gesperrt, da entweder unter Schnee begraben oder von tiefen Flüssen durchzogen. Mehr dazu findet Ihr unten bei den Website-Empfehlungen.

Im Winter kann auch die Ring Road mal gesperrt sein, wenn Schneeverwehungen die Straßen unpassierbar machen.

All das haben wir während unserer beiden Aufenthalte erlebt. Alleine vom Starkregen wurden wir und unsere rostigen Scheibenwischer verschont. Wir empfehlen Euch, deutlich mehr Zeit einzuplanen. Wenn Ihr eine Tour unternehmen wollt, ausreichend Wasser und Essen mitnehmen (im Winter auch Decken).

Ganz wichtig ist auch die Technik. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie unwohl wir uns mit 2 kaputten Vorderlichtern im dichten Nebel gefühlt haben.

Wir haben sofort für eine neue Lampe gesorgt, obwohl der Austausch beim Defender absolut keinen Spaß macht.

 

  1. Verkehrsteilnehmer: Wie andere autofahren in Island

Als Isländer ist man wahrscheinlich der Meinung, das Menschen aus anderen Ländern nicht Autofahren können, es war wirklich sehr auffällig, wie naiv und unbeholfen doch viele von uns auf den Straßen unterwegs sind.

Die Isländer selbst fahren selten zu schnell, drängeln nicht und unterlassen riskante Überholmanöver. Warum tun sich auch Europäer auf der vermeintlich leichten Ring Road so schwer? Weil es in Island an jeder Ecke anders aussieht, und man auch hinterm Steuer die Eindrücke aufsaugen möchte. Zudem bleibt es länger hell, man neigt dazu Ausflüge auszudehnen. Müdigkeit ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Zudem dauern Fahrten oft viel länger als geplant.

Jedenfalls scheint defensives Fahren hier eine probate Überlebensstrategie der Isländer zu sein.

 

  1. Überall in Island: Schafe, Schafe, Schafe

Und dann sind da noch die Schafe. Überall. Man könnte meinen die Schafe wären zuerst da gewesen. Man muss immer damit rechnen, dass eines oder mehrere Schafe plötzlich auftauchen und auf die Straße laufen.

Achtung: Ein Schaf kann nicht gleichzeitig laufen und auf den Verkehr achten. Um den Verkehr zu checken, bleibt es auf der Straße stehen. Also: Wachsam sein und wenn ein Schaf über die Strasse läuft, damit rechnen, dass noch mehr hinterher gelaufen kommen.

Übrigens: wer ein Schaf anfährt, muss dies melden und für das Schaf bezahlen. Ob es dann wenigstens einen kostenfreien Island-Pulli gibt, können wir nicht sagen. Wir hoffen jedenfalls, dass auch Ihr ungeschoren davon kommt ;).

 

 

  1. Ring Road, was muss ich beachten

Die Ring Road führt einmal um Island herum, in der Regel asphaltiert. Neben den bereits genannten Themen, haltet nicht einfach auf der Straße an, um ein Foto zu machen. Fahrt weiter bis zur nächsten Einbuchtung. Die Ring Road ist zwar nur einspurig je Richtung. Aber es ist hier eine Art Autobahn (mit Schafen). Und ihr würdet auf unser Autobahn auch nicht anhalten, oder?

Wir haben uns bei vielen Spots echt geärgert, nicht anhalten zu können und deswegen auch so manche Extra-Runde gemacht.

 

 

 

  1. Wie schnell darf ich in Island fahren?

Ganz einfach: 50, 80, 90.

50 km/h innerorts, 80 km/h auf unbefestigten Straßen, 90 km/h auf asphaltierten Straßen außerorts. Du siehst nicht viel Polizei in Island, aber angesichts hoher Strafen, und modernster Technik stehen die Chancen nicht schlecht, dass Du geblitzt wirst. Und dann wird es teuer.

Da sich unser Landy bei 80 km/h eh schon anhörte als würden mindestens die Türen gleich abfallen, kamen wir kaum in die Versuchung viel schneller zu fahren,

 

  1. Kann ich mit meinem Auto auf Islands F-Roads fahren?

Viele Autovermieter haben mittlerweile einen großen Hinweis auf dem Handschuhfach, der diese Frage in sehr großen Buchstaben mit „Nein“ beantwortet.

Ehrlich gesagt, sind für uns auch die F-Roads ein Grund wiederzukommen. Die Pisten, die auch echte Offroad Experten und ihr Fahrzeuge vor Herausforderungen stellen, sind ein echtes Abenteuer.

Es gibt zahlreiche Videos auf Youtube, die Euch einen Vorgeschmack geben. Wenn Ihr vor habt, diese Strecken zu fahren, erkundigt Euch bei der Vermietung ob Ihr mit Eurem Auto diese Straßen fahren dürft und am Tag der Reise unter den Websites, die gleich unten empfohlen werden.

Wir können Euch auf jeden Fall  dieses Trackbook (unbezahlter Link) empfehlen. Wir waren jeden Tag dankbar, dass wir dieses Buch und eine gute Karte hatten.

 

  1. Wichtige Websites

Es empfiehlt sich immer und vor jeder Fahrt die wichtigsten Websites zu checken. Road.is sagt Euch immer, ob die Straßen befahrbar sind.

Gerade, wenn Ihr Euch auf den F-Roads bewegen wollt, lohnt ein Blick auf https://safetravel.is/.

Hier gibt es ein Chatfunktion und auch Warnungen, wenn einzelne Flussdurchfahrten Wasserstände über 50cm aufweisen.

  1. Tanken in Island

Gerade im Hochland sind Tankstellen sehr rar. Deswegen solltet Ihr am besten schon bei der Tourenplanung eine Karte mit eingezeichneten Tankstellen nutzen.

Neben einer guten Landkarte, braucht Ihr eine funktionierende Kreditkarte. Die Tankstellen sind oft unbesetzt.

 

So, und jetzt gute Fahrt!